Info für Landwirte Ausgabe März 2026
Mal unter uns „Wir müssen Exportchancen nutzen, nicht aber um jeden Preis”
Herr Stärk, die internationalen Märkte scheinen sich aktuell wieder zu öffnen – allen voran China. Ist das der erhoffte Durchbruch für den Export?
Fleischexporte sind für uns enorm wichtig, um das gesamte Tier bestmöglich zu vermarkten und somit in unserer Wertschöpfungskette zu halten. Deshalb ist jede Marktöffnung ein entscheidender Schritt.
Die Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding” (MoU) von Kanzler Merz mit seinem chinesischen Amtskollegen Li Qiang zur Regionalisierung im ASP-Fall ist ein wichtiges Signal. Wir hoffen, dass es perspektivisch zu einer vollständigen Wiederöffnung kommt. Das gilt nicht nur für China, sondern auch für die Philippinen, die für uns ebenfalls ein zentraler Markt sind. Unser Ziel ist klar: Wir brauchen stabile Absatzmärkte.
Ein entscheidender Baustein für diese Marktöffnungen ist die Tiergesundheit. Deutschland ist wieder offiziell MKS-frei – was bedeutet das fürs Exportgeschäft?
Das ist ein starkes Signal an die internationalen Märkte und ein echter Vertrauensbeweis. Tiergesundheit ist im Export ein zentrales Kriterium, und dieser Status bestätigt unsere hohen Standards. Dass in diesem Zusammenhang auch Märkte wie die USA und Kanada ihre Importbeschränkungen wieder lockern, zeigt ganz konkret, wie wichtig dieses Vertrauen ist. Für uns bedeutet das bessere Marktchancen und eine deutlich stabilere Ausgangsposition im Export. Gleichzeitig ist klar: Diesen Status zu halten, bleibt eine Daueraufgabe.
Das heißt, internationale Öffnung und hohe Standards schließen sich aus Ihrer Sicht nicht aus? Auch nicht im politischen Kontext?
Nein, ganz im Gegenteil. Unsere Erfahrung zeigt, dass genau diese Standards ein Türöffner sind. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig politische Unterstützung bei der Öffnung und Sicherung von Märkten ist. Gerade die Gespräche und Initiativen von Alois Rainer – wie etwa auch im Rahmen der Reise nach Südafrika – sind hier ein wichtiger Beitrag. Solche Kontakte auf politischer Ebene helfen, Vertrauen aufzubauen und Türen zu öffnen. Am Ende gilt aber auch: Entscheidend ist, dass wir diese Chancen als Branche dann mit verlässlicher Qualität und Partnerschaft füllen.
Was bedeutet das konkret für die Exportstrategie von Westfleisch?
Wir setzen bewusst auf nachhaltige Marktbeziehungen und nicht auf kurzfristige Effekte. Das heißt: Wir gehen in Märkte, in denen unsere Produkte und unser Qualitätsversprechen gefragt sind, und wir investieren in stabile Partnerschaften. Die aktuellen politischen Entwicklungen helfen dabei, aber sie ersetzen keine klare strategische Ausrichtung.
Ihr persönliches Fazit zur aktuellen Lage im Exportgeschäft?
Die Rahmenbedingungen verbessern sich, und das ist eine gute Nachricht. Aber entscheidend ist, wie wir diese Chancen nutzen. Für mich ist klar: Erfolgreich sind die, die eine klare Haltung haben und wissen, wofür sie stehen. Qualität, Verlässlichkeit und hohe Standards sind kein Wettbewerbsnachteil – sie sind unser stärkstes Argument im globalen Markt.
Rindfleischmarkt im Wandel: Deike Harms betont Wachstumschancen
„Rindfleisch darf nicht zum Exklusivprodukt werden, sondern muss auch künftig für eine breite Käuferschicht zugänglich bleiben”, machte Deike Harms beim Fachgespräch zur Situation der Rindermast in Verden deutlich.
Beim Rindermasttag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Verden standen aktuelle Entwicklungen am Rindfleischmarkt im Fokus und es wurde deutlich: Die Branche befindet sich weiterhin in einem tiefgreifenden Wandel.
Ein zentrales Thema war der deutliche Rückgang der Rinderbestände in Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Großviehschlachtungen von rund 3,6 auf 2,8 Millionen Tiere gesunken – ein Minus von etwa 25 Prozent. Diese Entwicklung bringt spürbare strukturelle Veränderungen mit sich. Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft, ordnete die Situation aus Sicht von Westfleisch ein: „Wir produzieren weniger, aber wir essen auch weniger Rindfleisch. Das verändert den Markt grundlegend.”
Rindfleisch muss zugänglich bleiben
Zusätzlich hat sich die Lage durch Tierseuchen wie die Maul- und Klauenseuche sowie die Blauzungenkrankheit im Jahr 2025 weiter verschärft. Das ohnehin knappe Angebot an Schlachtvieh führte zuletzt zu deutlichen Preissteigerungen, insbesondere bei Jungbullen.
Trotz aller Herausforderungen konnte sich Westfleisch stabil behaupten: Der Marktanteil bei Großviehschlachtungen liegt weiterhin bei rund 11 Prozent. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine Position im Bereich höherer Haltungsformen konsequent aus. „Die gestiegenen Preise führen dazu, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher bewusster und seltener zu Rindfleisch greifen", mahnte Harms. „Umso wichtiger ist es, dass Rindfleisch nicht zum Exklusivprodukt wird, sondern auch künftig für eine breite Käuferschicht zugänglich bleibt.”
Wachstumstreiber Haltungsform 3
„Eine steigende Nachfrage beim Großvieh sehen wir hingegen bei höheren Haltungsformen”, sagte Harms. Westfleisch ist bereits heute bundesweit führend bei Rindfleisch aus Haltungsform 3. „Entscheidend ist, dass sich diese Programme wirtschaftlich für die Betriebe lohnen”, betonte sie. Die Schlachtungen in diesem Segment konnten im vergangenen Jahr um 58 Prozent gesteigert werden. Mittlerweile wird jedes dritte HF3-Rind in Deutschland bei Westfleisch geschlachtet.
Um die Lieferbereitschaft weiter zu stärken, hat Westfleisch die Zuschläge für HF3-Tiere erneut erhöht: Für Kühe wurden sie auf 30 Cent je Kilogramm Schlachtgewicht angehoben, für Jungbullen liegen sie seit März 2026 bei 35 Cent. Die Diskussion in Verden machte zudem deutlich: Auch wenn der Konsum unter Preisdruck steht, bleibt Rindfleisch ein hochwertiges Produkt, das bewusst nachgefragt wird. Gleichzeitig setzen Handel und Vermarktung zunehmend auf langfristige Programme und höhere Haltungsstandards.
Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das: Wer sich strategisch aufstellt und in zukunftsfähige Haltungsformen investiert, kann auch in einem herausfordernden Marktumfeld stabile Perspektiven entwickeln.
Fokus Südafrika: Neue Chancen für Export deutscher Fleischprodukte
Gemeinsam für neue Exportchancen: (v.l.) Jan-Bernd Stärk, Westfleisch-Exportleiter, Alois Rainer, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und Steffen Reiter, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Fleischwirtschaft, im Austausch während der Delegationsreise in Südafrika.
Die jüngste Reise von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer nach Südafrika markiert einen wichtigen Schritt für die internationale Agrarexportstrategie Deutschlands und eröffnet zugleich neue Perspektiven für die deutsche Fleischwirtschaft. Als Teil der hochrangigen Wirtschaftsdelegation war auch Westfleisch vertreten: Exportleiter Jan-Bernd Stärk begleitete die Gespräche vor Ort in Kapstadt.
Im Zentrum der politischen Gespräche stand die Wiederaufnahme deutscher Schweinefleischexporte nach Südafrika – trotz der weiterhin bestehenden Herausforderungen durch die Afrikanische Schweinepest (ASP). Beide Länder signalisierten klar ihren Willen, praktikable Lösungen für den Handel unter Tierseuchenbedingungen zu entwickeln.
Ein starkes Signal für die Branche
Für Stärk war die Reise ein bedeutendes Signal für die Exportwirtschaft: „Die Gespräche vor Ort waren geprägt von großem gegenseitigem Respekt und echtem Interesse an langfristigen Partnerschaften. Für uns als exportorientiertes Unternehmen ist es entscheidend zu sehen, dass auf politischer Ebene aktiv an Lösungen gearbeitet wird.”
Südafrika gilt als wirtschaftliches Tor zum afrikanischen Kontinent und war bereits vor dem ASP-Ausbruch ein wichtiger Absatzmarkt: Rund 20.000 Tonnen deutsches Schweinefleisch wurden jährlich dorthin exportiert. Entsprechend hoch ist das Interesse an einer Wiederbelebung dieser Handelsbeziehungen.
Partnerschaft auf Augenhöhe
Neben dem Export stand auch die Intensivierung der Zusammenarbeit im Bereich Tiergesundheit im Fokus. Deutschland und Südafrika unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche und wollen künftig enger bei Prävention und Krisenmanagement zusammenarbeiten. „Nachhaltiger Export funktioniert nur auf Basis von Vertrauen und gemeinsamen Standards. Die geplante engere Kooperation bei Tierseuchen ist ein wichtiger Baustein, um stabile Handelsbeziehungen zu sichern,“ betont Stärk die Bedeutung dieses Ansatzes.
Chancen für Westfleisch
Für Westfleisch eröffnet die Entwicklung konkrete Perspektiven: Die Wiederaufnahme von Exporten nach Südafrika würde nicht nur zusätzliche Absatzmöglichkeiten schaffen, sondern auch zur Stabilisierung der Märkte beitragen – ein wichtiger Faktor für die gesamte Wertschöpfungskette. „Wir sehen in Südafrika einen wichtigen Markt mit entsprechendem Absatzpotenzial. Die Reise hat gezeigt, dass beide Seiten ein echtes Interesse daran haben, den Handel wiederzubeleben und weiter auszubauen”, so Stärk.
Die Südafrika-Reise von Bundesminister Rainer unterstreicht die wachsende Bedeutung internationaler Partnerschaften für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft. Für Stärk und Westfleisch ist klar: Der Dialog auf politischer Ebene ist ein entscheidender Türöffner und ein wichtiger Schritt hin zu neuen Exportchancen „Made in Germany”.
EmpCo-Richtlinie kommt – ITW mit neuen Haltungsform-Programmen
Die Initiative Tierwohl (ITW) hat als Reaktion auf die Einführung der EmpCo-Richtlinie (EU-Vorgabe 2024/825, „Empowering Consumers”) ein neues Programm für die Haltungsstufen 3 und 4 entwickelt. Für Sie als Westfleisch-Partnerbetrieb heißt das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich zu informieren und die nächsten Schritte im Blick zu behalten.
Bis Ende März wird die EmpCo-Richtlinie ins deutsche Recht aufgenommen. Die Umsetzung muss bis zum 1.September 2026 geschehen. „Durch die Umsetzung der Richtlinie wird die Haltungskennzeichnung im Lebensmitteleinzelhandel weiter vereinheitlicht”, sagt Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft bei Westfleisch. „Ziel ist es, Verbraucher vor irreführenden Versprechen und Falschaussagen zu schützen. Dazu zählen auch die Haltungsform-Programme.“
Neue Perspektiven mit ITW-Stufe 3 und 4
Der Einstieg ist zunächst für Schweinemastbetriebe möglich, während die Anforderungen für Rinder derzeit weiter konkretisiert werden. „QS und ITW erfüllen bereits heute zentrale Anforderungen der neuen Richtlinie”, ordnet Harms ein. „Wer sich frühzeitig aufstellt, verschafft sich klare Vorteile im Markt.” Die neuen Programme Frischluftstall und Auslauf berücksichtigen die Kriterien der Stufen 3 bzw. 4 der Haltungsformkennzeichnung. Die ITW-Programme bauen aufeinander auf, sodass eine Lieferberechtigung in einem höheren Programm eine Lieferberechtigung in den niedrigen Programmen voraussetzt.
Weichen jetzt stellen
Die Weiterentwicklung der ITW und die Umsetzung der EmpCo-Richtlinie gehen Hand in Hand. Westfleisch begleitet Sie dabei eng und sorgt dafür, dass Sie auch künftig verlässlich am Markt positioniert sind.
Aus dem Maschinenraum der Branchenkommunikation: VulkANGRILLEN – Initiative Fleisch mit spektakulärer Aktion im TV
Mit einer außergewöhnlichen Aktion hat die Initiative Fleisch in diesem Jahr den Auftakt zur Grillsaison gesetzt: Beim Projekt „Das große Angrillen” wurde Fleisch tatsächlich über einem aktiven Vulkan gegrillt. Am 19. März ließ ein Helikopter einen Schwenkgrill an einem Spezialseil in den Krater eines Vulkans hinab – ein Experiment, das zeigen sollte, wie sich extreme Strahlungshitze auf den Grillprozess auswirkt. Nicht nur in die Posts von Social Media schaffte es die Aktion, sondern auch in diverse TV-Formate und auf zahlreiche Streaming-Plattformen.
Im Mittelpunkt des Stunts standen klassische Grillprodukte wie Nackensteaks, Rippchen und Bratwürste. Während beim üblichen Grillen vor allem Kontakt- und Konvektionshitze wirken, dominierte über der Lava eine besonders intensive Form der Wärmestrahlung. Genau diese außergewöhnlichen Bedingungen machten das Experiment so spannend: Wie schnell dringt die Hitze ins Fleisch ein? Und lässt sich der Grillprozess trotz der extremen Umgebung kontrollieren?
Begleitet wurde die Aktion von Food- und Lifestyle-Influencern, die das spektakuläre Experiment filmisch dokumentierten. Das entstandene Video zeigt das „Angrillen am Limit” zwischen Lava, Asche und Rotorenlärm – pünktlich zum Start der Grillsaison veröffentlicht.
Stärkung der Grillkultur, Bedeutung von Fleisch
Mit der Aktion greift die Initiative Fleisch die große Bedeutung der Grillkultur in vielen europäischen Ländern auf und verbindet sie mit einer aufmerksamkeitsstarken Kampagne für bewussten Fleischgenuss. Ziel der Initiative ist es, den Dialog rund um das Lebensmittel Fleisch faktenbasiert und respektvoll zu führen, Verständnis für verantwortungsvolle Erzeugung zu fördern und Menschen zu einem selbstbestimmten Genuss ohne moralischen Druck zu ermutigen.
Das Vulkan-Angrillen bildete den Auftakt der Kampagne rund um die Grillsaison, in der Schweinefleisch als Teil der deutschen Genuss- und Grillkultur stärker in den Fokus gerückt wird.
Zukunftstag Sauenhaltung: Perspektiven für Ferkelerzeuger
Westfleisch lädt alle interessierten Ferkelerzeuger herzlich zum „Zukunftstag Sauenhaltung” ein. Die Veranstaltung findet am Freitag, den 27. März 2026, von 11 bis 17 Uhr auf dem Betrieb der Familie Schultewolter in Gronau-Epe statt.
Ein besonderes Highlight ist die Besichtigung des neuen Deckzentrums auf dem Betrieb Schultewolter. Der moderne Stall zeigt innovative Ansätze im Bereich Tierwohl und Stalltechnik – unter anderem mit großzügigen Platzverhältnissen, Unterflurzuluft sowie einem strukturierten Liegebereich.
Neben der Stallbesichtigung stehen vor allem Themen rund um Stallumbau, neue Haltungsanforderungen und Vermarktungsperspektiven im Fokus. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen aus der Branche sind vor Ort vertreten und präsentieren ihre Lösungen – von Stalltechnik über Genetik bis hin zu Beratung und Vermarktung.
Mit sicheren Absatzwegen für alle Haltungsformen, einer engen Bindung an den Lebensmitteleinzelhandel sowie vielfältigen Marktzugängen im In- und Ausland unterstützen wir Sie als unsere Mitglieder aktiv bei der Weiterentwicklung Ihrer Betriebe.
Nutzen Sie die Gelegenheit zum Austausch und zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft der Sauenhaltung.
Jetzt noch anmelden: Beeftalk 2026
Am 26. März 2026 von 19 bis 21 Uhr laden Westfleisch und AGRAVIS erneut zum Beeftalk ein. Die Online-Veranstaltung richtet sich an alle, die sich kompakt über aktuelle Entwicklungen in der Rindermast informieren möchten. Fachliche Impulse und praxisnahe Einordnungen liefern wertvolle Anregungen für den eigenen Betrieb.
Durch den Abend führen Deike Harms (Westfleisch) und Dr. Jana Denißen (AGRAVIS Nutztier GmbH).
Alle Teilnehmenden, die über den gesamten Veranstaltungszeitraum dabei sind, erhalten im Anschluss eine personalisierte ITW-Teilnahmebescheinigung.
Wir freuen uns über Ihre Teilnahme!
Messen & Veranstaltungen Westfleisch ist dabei!
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26.03.2026 BeefTalk, online
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27.03.2026 Zukunftstag Sauenhaltung, Deckzentrum Epe-Gronau
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19.05.–20.05.2026 PLMA, Amsterdam
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27.05.2026 RinderMast 3.0, Delbrück
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08.06.2026 Generalversammlung, Münster
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25. + 26.07.2026 Deutsche Grillmeisterschaft der German BBQ Association, Fulda
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17.10.–21.10.2026 Sial, Paris
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10.11.–13.11.2026 Eurotier, Hannover