Info für Landwirte Ausgabe April / Mai 2026

„Wir handeln verantwortungsvoll”

Carsten Schruck, Personalvorstand Westfleisch

Arbeits- und Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten: Die ARD-Sendung „Monitor” hat vor Kurzem Fragen zu Arbeitsbedingungen und Recruiting-Modalitäten in der Fleischwirtschaft aufgeworfen. Auch Westfleisch wurde in diesem Zusammenhang genannt. Für Westfleisch ist klar: Transparenz, Verantwortung und verlässliche Strukturen sind die Grundlage für Vertrauen – bei allen Mitarbeitenden genauso wie bei den landwirtschaftlichen Partnern. Personalvorstand Carsten Schruck ordnet die Situation ein:

Herr Schruck, die Medienberichte warfen der Branche Ausbeutung vor. Was sagen Sie dazu?
Diesen Vorwurf weisen wir für Westfleisch entschieden zurück. Klar ist: Internationale Rekrutierung – insbesondere aus sogenannten Drittländern außerhalb der EU – bringt besondere Herausforderungen mit sich – auch für uns. Gleichzeitig sind wir, wie viele Unternehmen etwa aus Pflege, Hotellerie oder Bauwesen, auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. Entscheidend ist für uns, dass alle Prozesse gesetzeskonform, transparent und verantwortungsvoll ablaufen. Dafür stehen wir.

Westfleisch wird in den Berichten genannt. Welche Probleme gab es?
Zu Beginn haben wir zeitweise mit einer in Deutschland ansässigen Vermittlungsfirma zusammengearbeitet. Vertraglich war eindeutig geregelt, dass von Bewerberinnen und Bewerbern keine zusätzlichen Vermittlungsgebühren verlangt werden dürfen. Erst in Gesprächen mit den Mitarbeitenden in Deutschland haben wir erfahren, dass es dennoch zu solchen, teils immens hohen Forderungen gekommen sein soll. Das widerspricht klar unserem Selbstverständnis. Wir selbst haben nicht mit lokalen Vermittlern zusammengearbeitet. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit mit der betreffenden Firma bereits im Sommer 2025 beendet und bauen inzwischen eigene Rekrutierungsstrukturen vor Ort auf.

Bleiben die Mitarbeiter jetzt auf den Zahlungen sitzen?
Nein. Wir lassen die Betroffenen damit nicht allein. Aktuell haben wir ein Beschwerde- und Abhilfeverfahren eingerichtet, über das aktive und ehemalige Mitarbeitende eine Erstattung unangemessen hoher Vermittlungsgebühren beantragen können. Über die Ansprüche entscheidet ein unabhängiges Gremium aus unserem externen Ombudsmann, Vertreterinnen und Vertretern der Betriebsräte sowie der HSE-Abteilung (Health, Safety, Evironment) in Abstimmung mit der Compliance-Abteilung. Damit stellen wir sicher, dass jeder Fall fair und sorgfältig geprüft wird.

Das klingt kompliziert – und langwierig.
Das mag auf den ersten Blick so wirken. Aber: Wir tragen auch eine große Verantwortung gegenüber allen Beschäftigten und wollen deshalb transparent und nachvollziehbar handeln. Unabhängig davon haben wir in einzelnen bekannt gewordenen Fällen bereits pragmatisch reagiert und in begründeten Situationen unkompliziert geholfen. Dieses Thema nehmen wir sehr ernst – und wir werden niemanden damit allein lassen, der seine Anliegen darlegen und belegen kann.

Welche vorbeugenden Maßnahmen hat Westfleisch ergriffen?
Künftig übernehmen wir die Anwerbung vor Ort selbst. Gerade erst Mitte April war erneut ein Team unserer zentralen Personalabteilung in Vietnam, um die nächsten Schritte vorzubereiten und Strukturen aufzubauen. Neue Mitarbeitende werden von Anfang an umfassend und bestmöglich informiert. Kostenbeteiligungen wird es ausschließlich dort geben, wo ihnen konkrete Leistungen gegenüberstehen – etwa für Visa oder Flüge. Dazu stehen wir, da ansonsten falsche Anreize gegeben werden. Zudem sind solche Kostenbeteiligungen meist landestypische Gepflogenheiten. Für sämtliche Serviceleistungen gibt es freiwillige schriftliche Vereinbarungen sowie selbstverständlich Quittungen für Zahlungen. Unser Ziel ist es, den Menschen faire und verlässliche Perspektiven zu bieten – idealerweise langfristig in unseren Betrieben.

Welche Rolle spielt internationale Rekrutierung künftig für Westfleisch?
Fach- und Arbeitskräfte aus dem außereuropäischen Ausland bleiben auch künftig ein wichtiger Bestandteil unserer Personalstrategie. Entscheidend ist jedoch, wie wir diesen Prozess gestalten. Wir setzen auf klare Regeln, eigene Kontrolle und faire Verfahren. Nur so schaffen wir dauerhaft Vertrauen – bei unseren Mitarbeitenden ebenso wie in der Öffentlichkeit.

Was bedeutet die aktuelle Debatte für die Zusammenarbeit mit den Landwirten?
Für unsere landwirtschaftlichen Partner sind Verlässlichkeit und Vertrauen entscheidend. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass wir transparent und regelkonform arbeiten. Das ist eine zentrale Grundlage für die gesamte Wertschöpfungskette. Denn nur wenn wir als Unternehmen und als Branche verantwortungsvoll handeln, sichern wir langfristig unsere gemeinsame Zukunft.

Entscheidung Vion: „Nicht um jeden Preis”

Dr. Wilhelm Uffelmann, Westfleisch-CEO

Im Rahmen des zurückliegenden Verkaufsprozesses der deutschen Vion-Standorte hat sich Westfleisch intensiv mit möglichen Übernahmen beschäftigt. Ziel war es, geeignete Standorte zu identifizieren und Verantwortung für eine zukunftsfähige Schlachtstruktur zu übernehmen – insbesondere im Rindfleischbereich.

Auch für den zuletzt verbliebenen Standort Buchloe hatte Westfleisch ein fundiertes Angebot abgegeben. Den Zuschlag erhielt nun ein Mitbewerber aus Irland. Das letztlich vom Verkäufer akzeptierte Angebot lag auf einem Preisniveau, das aus Sicht von Westfleisch wirtschaftlich nicht nachhaltig darstellbar gewesen wäre. 

„Wir verfolgen Chancen mit Nachdruck – aber nicht um jeden Preis”, hatte Westfleisch-Vorstandsvorsitzender Dr. Wilhelm Uffelmann in dem Verkaufsprozess immer wieder betont. „Langfristige Stabilität, wirtschaftliche Vernunft und nachhaltige Wertschöpfung bleiben für uns die entscheidenden Maßstäbe.”

Der nicht erfolgte Zuschlag ändert nichts an der strategischen Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit von Westfleisch. Das Unternehmen sieht sich weiterhin solide aufgestellt und wird Markt- und Entwicklungsmöglichkeiten auch künftig aufmerksam prüfen.

Mal unter uns „Tätowierung bleibt unverzichtbar für Rückverfolgbarkeit”

Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft bei Westfleisch

Frau Harms, die Tätowierung ist seit Jahren Standard in der Schweinekennzeichnung. Wie wichtig ist dieses System aus Ihrer Sicht auch heute noch?
Die Kennzeichnung von Schlachtschweinen über die Tätowierung ist seit vielen Jahren gelebter Standard – und aus unserer Sicht als Schlachtunternehmen auch heute und in Zukunft unverzichtbar. Schließlich erzeugen Landwirte hochwertige Lebensmittel für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Damit tragen wir gemeinsam Verantwortung für Lebensmittelsicherheit, Transparenz und Vertrauen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Eine eindeutige Kennzeichnung ist dafür die zentrale Grundlage.

Was bedeutet die Tätowierung konkret für die Betriebe im Alltag und worauf muss geachtet werden?
Die Tätowierung stellt sicher, dass jedes Tier beziehungsweise jede Schlachtpartie eindeutig dem Herkunftsbetrieb zugeordnet werden kann – auch dann noch, wenn das Tier nicht mehr lebend ist. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Fleisch als sicheres Lebensmittel in Verkehr gebracht werden kann. Im Fall von Auffälligkeiten, etwa bei Rückrufen, Tierseuchen oder Qualitätsabweichungen, muss schnell und eindeutig nachvollziehbar sein, woher ein Tier stammt, welche Betriebe beteiligt waren und welche weiteren Produkte betroffen sein könnten.

Die Tätowierung ist dabei ein robuster und jederzeit sichtbarer Identitätsnachweis, auf den sich alle Beteiligten verlassen können.

Gibt es aus Ihrer Sicht Alternativen zur Tätowierung, die praktikabel und gleichzeitig verlässlich wären? 
Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine Alternative, die gleichzeitig praxistauglich, verlässlich und mit vertretbarem Aufwand umsetzbar wäre. Grundsätzlich sind Schweine bereits gekennzeichnet, etwa über die Ohrmarke, die den Geburts- beziehungsweise Herkunftsbetrieb ausweist. Diese Kennzeichnung ist wichtig, bildet jedoch nicht den letzten Haltungsbetrieb – also den Mastbetrieb – ab, der für Schlachtung, Abrechnung und Rückverfolgbarkeit entscheidend ist.

Ein denkbarer Ansatz wäre, jedes Schwein zusätzlich individuell zu kennzeichnen. In der Praxis würde das jedoch einen erheblich höheren Arbeitsaufwand bedeuten und ist aus unserer Sicht derzeit nicht realistisch. Teilweise setzen Betriebe bereits RFID-Ohrmarken ein. Diese ermöglichen eine kontaktlose, eindeutige Identifikation jedes einzelnen Tieres. Mit einem kleinen Transponder, der per Funk Daten an Lesegeräte übermittelt, wird so die Rückverfolgbarkeit sichergestellt. Die RFID-Ohrmarken sind für die breite Masse Stand heute noch zu kostenintensiv.

Und ganz offen: Wo sehen Sie beim aktuellen System der tierbezogenen Kennzeichnung den größten Handlungsbedarf?
Der größte Handlungsbedarf liegt weniger im System selbst als in der konsequenten und sorgfältigen Umsetzung in der Praxis. Die Tätowierung ist ein bewährtes und rechtssicheres Verfahren, ihre Zuverlässigkeit hängt jedoch maßgeblich von der Qualität der Durchführung ab.

Entscheidend ist zunächst der Zustand der Tätowier-Eisen: Abgenutzte oder stumpfe Ziffern führen schnell zu schlecht lesbaren Kennzeichnungen, weshalb eine regelmäßige Kontrolle und ein rechtzeitiger Austausch unerlässlich sind. Ebenso wichtig ist die Verwendung frischer, unverdünnter Tätowiertuschen. Zu sparsam eingesetzte oder eingetrocknete Farbe kann dazu führen, dass Kennzeichnungen unvollständig oder nicht dauerhaft lesbar sind.
Schließlich spielt auch die Reinigung der Tätowier-Eisen eine zentrale Rolle: Rückstände wie Fett, Hautreste oder alte Tuschen beeinträchtigen die Lesbarkeit erheblich. Eine gründliche Reinigung mit einer Drahtbürste nach jeder Partie ist daher zwingend notwendig – auch wenn sie im Arbeitsalltag zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Es gilt also: Die Tätowierung bleibt ein bewährtes System – Voraussetzung ist die konsequente und richtige Anwendung. Wenn Sorgfalt und Routine im Alltag stimmen, bleibt die Methode auch künftig ein verlässliches Fundament für Rückverfolgbarkeit und Lebensmittelsicherheit.

Vormerken: Generalversammlung 2026

Wie im vergangenen Jahr empfängt Westfleisch seine Mitglieder zur Generalversammlung im Mövenpick Hotel in Münster und freut sich über rege Beteiligung.

Am Montag, 8. Juni findet unsere diesjährige Generalversammlung im Mövenpick Hotel in Münster statt. Der Vorstand der Westfleisch SCE mbH wird im Rahmen der Veranstaltung den Geschäftsbericht 2025 vorstellen und einen Ausblick auf aktuelle sowie kommende Projekte geben. Ein zentraler Fokus bleibt dabei die konsequente Weiterentwicklung effizienter und zukunftsfähiger Unternehmensstrukturen.

Wie bereits im Vorjahr erfolgt auch die Anmeldung zur Generalversammlung digital. In Kürze erhalten alle geladenen Gäste das Einladungsschreiben. Darin enthalten: Der persönliche Zugangscode sowie der entsprechende Link zur Anmeldung.

Neuerung beim Geschäftsbericht
Im Zuge der strategischen Ausrichtung „WEfficient” gibt es auch bei der Erstattung des Geschäftsberichts Neuerungen. Nach der vollständigen Digitalisierung im vergangenen Jahr liegt der Bericht weiterhin ausschließlich in digitaler Form vor und wurde inhaltlich gezielt gestrafft. Der Fokus liegt auf den wesentlichen Kennzahlen und einer kompakten Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Der bewusste Verzicht auf umfangreiche redaktionelle Beiträge aus den Geschäftsbereichen steigert die Kosteneffizienz und schont Ressourcen. Gleichzeitig unterstreicht die kompakte Aufbereitung den Anspruch von Westfleisch, mit schlanken Strukturen und klarem Fokus auf das Kerngeschäft nachhaltig und zukunftsorientiert aufgestellt zu sein. Der Geschäftsbericht 2025 steht über den Link in den Einladungsunterlagen zum Download bereit.

Wir sehen uns auf der Generalversammlung!
 

ITW-Nämlichkeit: Zwischen Anspruch und Umsetzbarkeit

Die Einführung der durchgängigen Nämlichkeit innerhalb der Initiative Tierwohl (ITW) ab 2027 markiert einen entscheidenden Schritt für die Weiterentwicklung der deutschen Schweinehaltung. 

Ziel ist es, Tierwohlleistungen lückenlos entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Ferkel bis zum Mastschwein – nachzuweisen. Damit sollen Transparenz und Glaubwürdigkeit gegenüber Handel und Verbrauchern weiter gestärkt werden.
Aus Sicht von Westfleisch ist dieses Ziel grundsätzlich richtig – doch der Weg dorthin stellt die Branche aktuell vor erhebliche Herausforderungen.

Zwischen den Stühlen: Erzeuger und Marktanforderungen
Als genossenschaftlich organisierter Vieh- und Fleischvermarkter steht Westfleisch in einer besonderen Verantwortung: Einerseits gilt es, den eigenen Mitgliedsbetrieben auskömmliche Erlöse für ihre Tierwohlleistungen zu sichern. Andererseits erwarten Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher ein transparentes und glaubwürdiges System.

Wir bewegen uns hier in einer klassischen Zwickmühle. Die durchgängige Nämlichkeit stärkt zweifellos die Glaubwürdigkeit der ITW – gleichzeitig ist die praktische Umsetzung derzeit noch nicht ausreichend abgesichert.
Michael Schulze Kalthoff, Vorstandsmitglied bei Westfleisch

Nämlichkeit als richtiger Schritt – mit offenen Baustellen
Die Nämlichkeit sorgt künftig dafür, dass nur noch Tiere als ITW-Ware vermarktet, werden können, die ihr gesamtes Leben unter entsprechenden Bedingungen gehalten wurden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Etablierung von Tierwohlprogrammen im Markt. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion: Die strukturellen Voraussetzungen sind noch nicht vollständig gegeben. „Wir sehen aktuell vor allem drei zentrale Herausforderungen”, erklärt Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft bei Westfleisch:

„Es herrscht ein strukturelles Defizit bei ITW-Ferkeln. Schon heute fehlen mehrere Millionen ITW-Ferkel. Diese Lücke führt zu spürbaren Verwerfungen in bestehenden Lieferbeziehungen. Zudem wird die Logistik immer komplexer. Regionale Verfügbarkeit, passende Stückzahlen und zeitliche Abstimmung müssen exakt zusammenpassen. Dies ist eine Anforderung, die derzeit vielerorts noch nicht erfüllt wird. Zu guter Letzt haben wir zudem hohe Investitionshürden in der Ferkelerzeugung. Insbesondere gesetzliche Vorgaben im Deckzentrum und Abferkelstall sorgen für erhebliche wirtschaftliche Unsicherheit bei Sauenhaltern.”

Marktmodell mit Unsicherheiten
Mit dem Wegfall des Ferkelfonds ab 2027 soll die Vergütung vollständig über den Markt erfolgen. Genau hier liegt ein kritischer Punkt: Viele Landwirte befürchten, dass Tierwohlleistungen künftig nicht mehr ausreichend honoriert werden. Westfleisch sieht deshalb die Notwendigkeit, wirtschaftliche Verlässlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. „Entscheidend ist weniger die exakte Höhe der Vergütung als ihre Verlässlichkeit”, so Schulze Kalthoff. „Ferkelerzeuger müssen sich darauf verlassen können, dass sich ihre Investitionen langfristig tragen.“

Ansätze für einen gangbaren Weg
Um die bestehenden Lücken zu schließen und den Übergang praktikabel zu gestalten, braucht es eine Kombination verschiedener Maßnahmen:

  • Übergangsmodelle, die bestehende Lieferbeziehungen berücksichtigen
  • Verlässliche, vertraglich abgesicherte Tierwohlaufschläge
  • Eine konsequente Weitergabe der Erlöse entlang der gesamten Kette
  • Eine stärkere Einbindung des Lebensmitteleinzelhandels und der Verbraucher in die Finanzierung

Ein möglicher Ansatz liegt in langfristigen Liefervereinbarungen mit klar definierten Tierwohlzuschlägen und transparenter Preisweitergabe.

Weichenstellung für die Zukunft der Branche
Die aktuelle Diskussion um die ITW-Nämlichkeit ist mehr als eine Detailfrage. Sie ist richtungsweisend für die Zukunft der gesamten Schweinehaltung in Deutschland. Gelingt es, Tierwohl, Systemglaubwürdigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander zu verbinden, kann die ITW ein dauerhaft tragfähiges Modell bleiben. Scheitert dies jedoch, drohen strukturelle Folgen: sinkende Inlandsproduktion, steigende Importabhängigkeit und ein Verlust an Wertschöpfung im Inland.
Westfleisch steht klar zur Nämlichkeit als Zielbild. Entscheidend ist nun, den Weg dorthin realistisch, wirtschaftlich tragfähig und für alle Beteiligten verlässlich zu gestalten. Oder, wie es Deike Harms zusammenfasst: „Tierwohl und Systemvertrauen dürfen kein Widerspruch sein. Sie müssen klug miteinander verzahnt werden. Nur so kann die Transformation der Schweinehaltung gelingen.“

Jetzt anmelden und mitreden: Zukunft Rindermast 3.0

Im vergangenen Jahr empfing Westfleisch-Gremienmitglied André Gerbermann auf seinem Bullenmast-Betrieb in Everswinkel rund 450 Gäste zur “Zukunft Rindermast 2.0”. Zur dritten Auflage der Veranstaltungsreihe, die auf dem Hof der Familie Pahlsmeier (Bulle & Co) stattfindet, freuen sich die Veranstalter über eine ähnlich hohe Beteiligung.

Wie geht es weiter in der Rindermast? Welche Chancen bieten sich aktuell und welchen Herausforderungen müssen sich Betriebe stellen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert die Fachveranstaltung „Zukunft Rindermast 3.0” am 27. Mai 2026 in Delbrück.

Gemeinsam mit Experten aus Praxis, Beratung, Vermarktung, Handel und Politik wird ein umfassender Blick auf die Zukunft der Branche geworfen. Denn eines ist klar: Die Rahmenbedingungen verändern sich rasant – von steigenden Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels bis hin zu neuen Marktchancen im In- und Ausland.

Vor Ort erwartet die Teilnehmer ein Marktausblick unter anderem zur Preisentwicklung sowie dessen Auswirkungen auf internationale Handelsabkommen wie Mercosur. Auch Fütterungsstrategien für effiziente Mastleistungen sowie stabile Tageszunahmen und Perspektiven für zukunftsfähige Bullenmastställe werden diskutiert. 

Zum Abschluss erwartet Sie zudem eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der deutschen Rindermast mit dem Westfleisch-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wilhelm Uffelmann. Auch mit dabei sind der Geschäftsführer Einkauf bei Lidl, Arne Wiest, Landwirt Felix Pahlsmeier, Direktorin Thinktank bei Agora Agrar, Dr. Christine Chemnitz sowie Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit beim BMLEH, Prof. Eberhard Haunhorst.

Nutzen Sie die Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren, neue Impulse für Ihren Betrieb mitzunehmen und sich mit anderen Vertragslandwirten sowie Branchenexperten zu vernetzen.

Zukunftstag Sauenhaltung: Hunderte Besucher auf Hof Schultewolter

Den „Zukunftstag Sauenhaltung” am 27. März 2026 auf dem Betrieb der Familie Schultewolter in Gronau-Epe besuchten fast 600 interessierte Ferkelerzeuger, Landwirtinnen und Landwirte. Die Veranstaltung bot eine ideale Plattform für Information, Austausch und praxisnahe Einblicke in die aktuellen Entwicklungen der Branche.

Ein besonderes Highlight war die Besichtigung des neu errichteten Deckzentrums. Der moderne Stall überzeugte durch innovative Lösungen im Bereich Tierwohl und Stalltechnik – unter anderem mit Liegebereich, Unterflurzuluft sowie großzügigen Platzverhältnissen. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort ein eigenes Bild von möglichen Umbaulösungen zu machen und mit Kollegen sowie Fachfirmen ins Gespräch zu kommen.
 

    Unser Westfleisch-Team vor Ort: (oben im Bild v.l.) Karl Stegemann, Markus Borchers, Simon Eggelbusch, Jan Luthmann, Bernd Sundermann, Tobias Liesenkötter und Nils Vormann.

    Im fachlichen Teil standen vor allem die anstehenden Anforderungen an die Sauenhaltung im Fokus. Deutlich wurde, dass die gesetzlichen Fristen zum Umbau der Deckzentren und Abferkelställe bereits konkret vorgegeben sind und individuelle Lösungen gefragt sind. Pauschale Konzepte gibt es nicht – jeder Betrieb muss seinen eigenen Weg zwischen Neubau oder Umbau im Bestand finden. 

    Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der zukünftigen Ausrichtung des Marktes. Die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels entwickeln sich klar in Richtung höherer Haltungsformen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach deutscher Ware stabil, insbesondere im Bereich Tierwohl. Für Ferkelerzeuger ergeben sich daraus Chancen, sofern die Produktions- und Vermarktungsketten entsprechend angepasst werden. 

    Neben den Vorträgen nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Vertretern aus Stallbau, Genetik, Beratung und Vermarktung. Die durchweg positive Resonanz zeigt, wie groß der Informationsbedarf und der Wille zur Weiterentwicklung in der Branche ist.

    Tobias Liesenkötter, Außendienstmitarbeiter Team Schwein, fasst zusammen: „Der Zukunftstag hat einmal mehr deutlich gemacht, dass die Sauenhaltung vor großen Herausforderungen steht – gleichzeitig aber auch klare Perspektiven bietet. Gemeinsam mit unseren Partnern unterstützen wir Sie weiterhin aktiv bei der Umsetzung und sichern Ihnen verlässliche Absatzwege für alle Haltungsformen.“

    Politik trifft Praxis: Austausch auf Augenhöhe

    Im Rahmen der Veranstaltung „Politik trifft Praxis“ kamen auch in diesem Jahr Genossenschaftsvertreter aus NRW zusammen, um gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (Mitte) und Staatssekretär Dr. Martin Berges (3. v. l.) über die aktuelle Lage der landwirtschaftlichen Betriebe in NRW zu diskutieren. Im Bild ganz links: Westfleisch-Vorstand Michael Schulze Kalthoff.

    Die Landwirtschaft steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Steigende Energie- und Düngerkosten, unsichere Marktbedingungen, zunehmende Bürokratie und politische Rahmenbedingungen, die häufig keine Planungssicherheit bieten – viele Betriebe arbeiten am Limit. Umso wichtiger ist es, dass die Praxis gehört wird, wenn politische Entscheidungen getroffen werden.

    Im Rahmen der Veranstaltung „Politik trifft Praxis NRW”, organisiert durch den Genoverband e.V., hat Westfleisch-Vorstandsmitglied Michael Schulze Kalthoff erneut die Perspektiven der landwirtschaftlichen Partnerbetriebe eingebracht.

    Westfleisch-Vorstand Michael Schulze Kalthoff (hintere Reihe, rechts) nutzte die Gelegenheit, die Sicht der landwirtschaftlichen Partnerbetriebe unseres Unternehmens im Austausch mit Ministerin Gorißen und Staatssekretär Berges direkt an die Politik heranzutragen.

    Im Austausch mit politischen Vertretern standen insbesondere folgende Themen im Fokus:

    Wettbewerbsfähigkeit sichern
    Die Entwicklung von Energie- und Düngerkosten sowie faire Marktbedingungen – insbesondere im Verhältnis zum Lebensmitteleinzelhandel – bleiben entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Auch die Exportfähigkeit der deutschen Fleischwirtschaft wurde intensiv diskutiert.

    Bürokratie abbauen

    Viele Betriebe stoßen bei Genehmigungen und Förderprogrammen an ihre Grenzen. Hier braucht es spürbare Entlastungen und schnellere Verfahren.

    Tierhaltung unter Druck

    Die Lage rund um die Afrikanische Schweinepest bleibt angespannt. Zwar greifen die Maßnahmen vor Ort, dennoch ist eine bessere, auch länderübergreifende Zusammenarbeit der Behörden notwendig. Weitere Übungen – auch mit Blick auf andere Tierseuchen – sind in Planung. Zudem wurde deutlich: Die wirtschaftliche Situation in der Sauenhaltung erfordert gezielte Unterstützung.

    Politische Rahmenbedingungen weiterentwickeln

    Diskussionen zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG), zur künftigen Ausrichtung der Agrarpolitik sowie zur Ausweitung der Agrarlogistik auf 44-Tonnen-LKW zeigen den Handlungsbedarf. Auch der zunehmende Flächenverbrauch – etwa durch Freiflächen-Photovoltaik entlang von Autobahnen – wurde kritisch bewertet.

    Planungssicherheit schaffen

    Landwirtschaftliche Betriebe brauchen verlässliche, langfristige Perspektiven für Investitionen und Weiterentwicklung.

    Der offene und transparente Austausch ist entscheidend. Unsere Aufgabe ist es, die Interessen unserer Mitglieder und Partnerbetriebe klar zu vertreten und praxisnahe Lösungen einzufordern.
    Michael Schulze Kalthoff, Vorstandsmitglied bei Westfleisch

    Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt: Nur im direkten Dialog lassen sich tragfähige Lösungen entwickeln. Der Austausch soll daher auch künftig fortgeführt werden – im Sinne der gesamten Landwirtschaft. 

    Beeftalk 2026: Herausforderungen und Impulse für die Rindermast

    v.l.: Deike Harms (Westfleisch), Jens Gödde, Dr. Jana Denißen (beide AGRAVIS) sowie weitere Experten führten durch die Veranstaltung und diskutierten aktuelle Entwicklungen in der Rindermast.

    Großes Interesse beim diesjährigen Beeftalk: 
    Mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Praxis nutzten das Online-Format von Westfleisch und AGRAVIS, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Rindermast zu informieren.

    Durch die Veranstaltung führten Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft bei Westfleisch und Dr. Jana Denißen von der AGRAVIS. 

    Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die aktuelle Lage am Schlachtrindermarkt, die weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist. Deike Harms ordnete die Entwicklungen ein und zeigte auf, welche Veränderungen im Verbraucherverhalten – insbesondere zwischen den Generationen – zunehmend Einfluss auf den Markt nehmen.

    Gerade in herausfordernden Marktphasen ist es entscheidend, die Entwicklungen richtig einzuordnen und die eigenen betrieblichen Stellschrauben gezielt zu nutzen.
    Deike Harms, Direktorin Landwirtschaft bei Westfleisch

    Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Futtermittelmärkten. Matthias Kutsche, Leitung Geschäftsfeld Rind bei der AGRAVIS Nutztier GmbH, erläuterte die aktuelle Versorgungssituation und machte deutlich, wie stark internationale Einflüsse und geopolitische Entwicklungen weiterhin auf die Märkte wirken.

    Export: Philippinen öffnen Markt wieder

    In der März-Ausgabe haben wir im Interview mit Jan-Bernd Stärk, Westfleisch-Exportleiter, die zentrale Bedeutung verlässlicher Exportmärkte für die Schweinehaltung betont. Die aktuelle Entwicklung bestätigt diese Einschätzung:
    Die Philippinen haben ihren Markt nach rund sieben Jahren wieder für deutsches Schweinefleisch geöffnet. Grundlage ist die Anerkennung der Regionalisierung im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest, wodurch Exporte trotz ASP wieder möglich sind.

    Auch politisch gibt es Bewegung: Vereinbarungen zur Regionalisierung – etwa im Austausch mit China – sind wichtige Signale für weitere Marktöffnungen.

    Für die Praxis bleibt entscheidend: Stabile und planbare Absatzmärkte sind eine Grundvoraussetzung für eine wirtschaftlich tragfähige Schweinehaltung. Neben China gewinnen dabei auch Märkte wie die Philippinen weiter an Bedeutung.

    Absage: „Fields & Beats” findet 2026 nicht statt

    Das für Mitte Mai dieses Jahres geplante „Fields and Beats-Festival” in der Halle Münsterland findet in diesem Jahr nicht statt. Grund dafür sind kurzfristig aufgetretene organisatorische Hürden, berichten das Messe und Congress Centrum Halle Münsterland sowie das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

    Die Veranstalter versprechen: Wer bereits ein Ticket für dieses Jahr erworben hat, bekommt sein Geld selbstverständlich vollständig zurück. Ticketinhaberinnen und Ticketinhaber müssen hierfür nichts weiter unternehmen – die Kostenerstattung erfolgt automatisch über die jeweilige Vorverkaufsstelle. Je nach Zahlungsanbieter kann dies einige Werktage dauern.

    Das Fields and Beats Team bedankt sich bei allen Fans, Partnern und Unterstützern für das Verständnis. Gleichzeitig arbeitet es mit Hochdruck daran, zu klären, wie es im kommenden Jahr weitergeht, um allen Besucherinnen und Besuchern ein rundum gelungenes Festivalerlebnis zu bieten – mit tollen Künstlern und aufregenden Programmpunkten. Mehr dazu wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.
     

    Messen & Veranstaltungen Westfleisch ist dabei!

    • 19.05.–20.05.2026 PLMA, Amsterdam

    • 27.05.2026 RinderMast 3.0, Delbrück

    • 08.06.2026 Generalversammlung, Münster

    • 25. + 26.07.2026 Deutsche Grillmeisterschaft der German BBQ Association, Fulda

    • 17.10.–21.10.2026 Sial, Paris

    • 10.11.–13.11.2026 Eurotier, Hannover

    Zwei Menschen reichen sich die Hand, man sieht aber nur die Arme. In der unteren Bildmitte ist das Siegel für die Tierhaltungsform 3 zu sehen.
    HF-3 Mäster gesucht
    Kreuzungskälber gesucht
    Kreuzungskälber rechnen sich – auch für Sie!
    Vorheriger Beitrag
    Übersicht Zurück zur Übersicht