Info für Landwirte Ausgabe September 2026
Mal unter uns: Was kommt nach der Milchkuh?
Wenn ein Milchviehbetrieb vor der Entscheidung steht, die Milchviehhaltung zu reduzieren oder ganz aufzugeben, stellt sich schnell die Frage: Was passiert mit dem Stall und mit dem Betrieb? Aus meiner Sicht lohnt es sich, dabei auch über die Aufzucht von Fressern oder Rosékälbern nachzudenken.
Viele Betriebe bringen dafür bereits einiges mit: genehmigte Stallgebäude, Erfahrung im Umgang mit Tieren und die tägliche Arbeit mit Kälbern. Genau diese Voraussetzungen lassen sich nutzen. Häufig können vorhandene Strukturen weiterverwendet werden, sodass Anpassungen und Umbaukosten überschaubar bleiben. Gerade für Betriebe ohne Hofnachfolger kann das eine interessante Perspektive sein.
Wichtig ist: Niemand muss dabei zwangsläufig die komplette Aufzucht übernehmen. Das Kalb durchläuft in der Regel drei Phasen – die Milchphase, die anschließende Starterphase und später die Fresserphase bis zur Bullenmast. Auch einzelne Phasen lassen sich auf einem Betrieb abbilden. So kann die Lösung individuell auf die vorhandenen Möglichkeiten zugeschnitten werden.
Bei Westfleisch gibt es dafür eine enge Begleitung. Die Kälber werden im Nutzviehzentrum nach Qualität und Gewicht zusammengestellt. Bei der Einstallung begleiten unsere Mitarbeiter den Betrieb und bleiben auch während der Aufzucht telefonisch oder vor Ort regelmäßig im Austausch. Dazu kommen ein spezialisierter Tierarzt und die Futtermittelberatung. Auch beim Ablauf gibt es klare Strukturen. Die Tiere werden nach Kalenderwochen geplant und im „Rein-Raus-Verfahren” aufgestallt.
Das Nutzviehzentrum übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Durch die langfristige Planung und die partnerschaftlichen Vereinbarungen in Aufzucht und Bullenmast wissen wir, wann welche Tiere gebraucht werden. So können wir gezielt die passenden Tiere für die jeweiligen Anforderungen bereitstellen.
Mein Rat an jeden Landwirt, der vor einer Veränderung steht, ist Folgender: Erst einmal das Telefon in die Hand nehmen! Ein Gespräch mit uns und ein Termin vor Ort sind der beste erste Schritt. Denn was möglich ist, hängt immer vom einzelnen Betrieb, den Gebäuden und den vorhandenen Möglichkeiten ab. Auf jeden Fall ist klar, dass ein Ende der Milchviehhaltung, nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Betriebs ist.
Tag der Sau 2026 Miteinander statt übereinander reden!
Rund 150 Landwirte haben Ende September am „Tag der Sau” auf Haus Düsse teilgenommen. Westfleisch organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW.
Fachvorträge von Eduard Eissing, Geschäftsführer von TopPigs, Barbara Voß vom BHZP, Tobias Scholz und Dr. Astrid von Asten von der Landwirtschaftskammer NRW legten zu den Möglichkeiten der Merkmalserfassung in der Schweinezucht, zur Stallplanung sowie zur Sauenhaltung im Um- und Neubau den fachlichen Rahmen. Für Praxisbezug sorgte Landwirt Tobias Hölker, der über seine Erfahrungen im Umbau seines Sauenstalls berichtete. Tobias Liesenkötter und Nils Vormann aus dem Westfleisch-Außendienst sprachen zudem über die Zukunft der Sauenhaltung, die derzeit schwierige Marktlage und die Herausforderungen, vor denen deutsche Sauenhalter stehen. Auch die Entwicklung hin zur Abferkelung war Thema.
Besonders positiv reagierten die Teilnehmer auf die Praxisnähe der Veranstaltung. „Es ist viel besser, miteinander statt übereinander zu reden. Genau das wollten wir mit dem Tag der Sau fördern und vor allem auch viele Praxisbeispiele aufzeigen”, sagt Nils Vormann, der den Tag für Westfleisch mitorganisiert hat. In Gruppen besichtigten die Landwirte so die Buchten auf Haus Düsse, diskutierten vor Ort über positive und verbesserungswürdige Aspekte und tauschten ihre Erfahrungen miteinander aus.
Für Westfleisch war die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, gemeinsam mit den Praktikern über die Zukunft der Sauenhaltung zu sprechen. Das Beratungsteam rund um Vormann, Liesenkötter sowie Ferkel-Experte Simon Eggelbusch, stand den Landwirten den gesamten Tag über für Gespräche zur Verfügung. „Es entstanden viele angeregte Diskussionen, die allesamt sachlich und sehr lösungsorientiert waren – auch bei der derzeit schwierigen Marktlage”, resümiert Tobias Liesenkötter.
Praxistest zeigt deutliches Ergebnis Früher Kennzeichnen
Vor rund zwei Monaten haben wir gemeinsam mit unseren landwirtschaftlichen Partnern getestet, ob sich Schweine bereits bei rund 80 Kilogramm sinnvoll kennzeichnen lassen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor: Die Tiere aus den Betrieben Gernemann und Mersmann wurden in Kalenderwoche 36 geschlachtet und die Aufnahmen aus der Produktion zeigen einen deutlichen Unterschied.
Kennzeichnung bei 80 kg
Die Tiere, die bereits bei einem Lebendgewicht von rund 80 Kilogramm gekennzeichnet worden waren, wiesen in der untersuchten Stichprobe deutlich besser erkennbare Tätowierungen auf.
Kennzeichnung bei 120 kg
Bei den Tieren, die erst bei etwa 120 Kilogramm gekennzeichnet wurden, war die Kennzeichnung dagegen weniger deutlich zu sehen.
„Für uns ist das ein wichtiges Ergebnis, weil sich damit zeigt, dass die frühere Kennzeichnung nicht nur den Arbeitsablauf auf dem Betrieb entzerren kann, sondern offenbar auch Vorteile bei der späteren Lesbarkeit bringt”, sagt Nils Vormann, Außendienstmitarbeiter bei Westfleisch. Das kann für eine Erleichterung bei der eindeutigen Zuordnung der Tiere im Schlachtbetrieb sorgen. Für die beteiligten Betriebe stand vor allem die Entzerrung der Arbeitsabläufe im Vordergrund.
Da es sich um eine begrenzte Stichprobe handelt, sollen nun weitere Erfahrungswerte aufzeigen, wie sich der beobachtete Effekt auch unter anderen betrieblichen Bedingungen bestätigt.
Premiere für konzernweiten Azubi-Tag
Zum ersten Mal hat Westfleisch alle Auszubildenden des Konzerns zu einem gemeinsamen Event eingeladen. Über 130 Nachwuchskräfte aus unterschiedlichen Standorten und Ausbildungsjahrgängen kamen zusammen, um sich besser kennenzulernen und gleichzeitig einen praxisnahen Einblick in die Landwirtschaft zu bekommen. Gastgeber des besonderen Tages war die Familie Meierzuherde aus Herzebrock. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Westfleisch-Aufsichtsratsmitglied Gerhard Meierzuherde erhielten die Azubis durch Hofführungen von ihm sowie seinem Sohn Kai ganz praktische Einblicke in die Tierhaltung.
Zum Auftakt begrüßte CEO Dr. Wilhelm Uffelmann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und machte deutlich, welchen Stellenwert die Landwirtschaft für Westfleisch hat: „Die Basis von Westfleisch ist die Landwirtschaft.“ Gleichzeitig gab er den Azubis eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Bleibt neugierig, stellt Fragen und nutzt die Gelegenheit, möglichst viel mitzunehmen.“ Auch Lejla Belja, die das Event organisiert hat und konzernweit für die Auszubildenden zuständig ist, betonte den Gedanken des gemeinsamen Austauschs: „Heute geht es vor allem um euch. Nutzt die Gelegenheit, euch untereinander kennenzulernen, tauscht euch mit den Azubis der anderen Standorte und Lehrjahre aus und schaut auch mal über den eigenen Ausbildungsalltag hinaus. Ich wünsche euch einen richtig schönen gemeinsamen Tag!“
„Bis jetzt gefällt es mir sehr gut! Wir wurden alle herzlich empfangen und seit Tag eins fühlt es sich so an, als würde man die Kollegen schon ganz lange kennen.“
Berat Kus, Auszubildender zum Elektroniker für Betriebstechnik, 1. Lehrjahr, Standort Hamm
„Mir gefällt vor allem der Teamgeist und das Miteinander am Standort. Es ist klein, aber fein bei uns.“
Florestan Fontana, Auszubildender zum Fachinformatiker für Systemintegration, 2. Lehrjahr, Standort Hamm
„Ich bin schon viele Abteilungen in meiner Ausbildung durchlaufen und möchte nach meiner Ausbildung gerne in der Abteilung Verkauf bleiben.“
Angelina Klewzow, Auszubildende zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement, 3. Lehrjahr, Standort Coesfeld
Landwirtschaft hautnah erleben
Anschließend ging es direkt in die Praxis. Gerhard und Kai Meierzuherde führten die Azubis in mehreren Gruppen über den Betrieb. Neben der Schweine- und Bullenmast ging es auch um den dazugehörigen Ackerbau. Mais, Gerste, Weizen, Triticale und Roggen konnten dabei nicht nur angeschaut, sondern direkt erklärt und eingeordnet werden. Besonders spannend war für viele der Blick in die Ställe. Dabei erfuhren die Auszubildenden, wie Schweine und Bullen gehalten und gefüttert werden und welche Rolle die Landwirtschaft für die gesamte Wertschöpfungskette spielt.
Vom Tier zum Fleischstück
Nach dem Einblick in den landwirtschaftlichen Ursprung folgte ein praktischer Programmpunkt aus der weiteren Verarbeitungskette: Fleischermeister und Ausbilder Michael Sturhahn aus Lübbecke zeigte gemeinsam mit Rind-Spartenleiter Christopher Rengstorf eine Live-Zerlegung. Dabei erklärten die beiden nicht nur, wie ein Tier fachgerecht zerlegt wird, sondern auch, wie die Teilstücke später verwendet werden. Die Azubis konnten direkt Fragen stellen und das Geschehen aus nächster Nähe verfolgen.
Gemeinsam mit Fleischermeisterin Theresa Ostendarp-Korth und Fabian Felling vom Standort Oer-Erkenschwick bereiteten Michael Sturhahn und Christopher Rengstorf anschließend verschiedene Fleischspezialitäten auf dem Grill zu. Die Erkenschwicker sowie die Kollegen von WestfalenLand brachten dafür Produkte mit, die sie gemeinsam mit ihren Azubis entwickelt und hergestellt haben – darunter die Krakauer Stadionbratwurst und eine Geflügelwurst.
Globale Märkte im Blick: Jan-Bernd Stärk bei der World Pork Conference
Wie verändert sich der globale Schweinefleischmarkt? Welche Bedeutung haben internationale Absatzmärkte für die Zukunft der Branche? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die IMS World Pork Conference am 10. und 11. September in Qingdao, China.
Auch Westfleisch war vor Ort vertreten: Exportleiter Jan-Bernd Stärk nahm als Beiratsvorsitzender von German Meat an der internationalen Fachkonferenz teil und stellte die Bedeutung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China heraus. Die Konferenz brachte internationale Branchenvertreter, Unternehmen und Experten zusammen, um über die Entwicklung des globalen Schweinemarktes und die Herausforderungen für den internationalen Handel zu diskutieren. Stärk betonte insbesondere die langjährige Bedeutung des chinesischen Marktes für den deutschen Schweinefleischexport und die Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit.
Internationale Handelsbeziehungen sind ein wichtiger Bestandteil einer leistungsfähigen und zukunftsorientierten Fleischwirtschaft.
Exportmärkte sind auch für die Landwirtschaft von Bedeutung
Für Westfleisch gehört der internationale Absatz fest zur Vermarktungsstrategie. Unterschiedliche Märkte und Absatzwege ermöglichen es, die verschiedenen Teilstücke eines Tieres bestmöglich zu vermarkten und damit die Wertschöpfung innerhalb der gesamten Kette zu stärken. Gerade für die heimische Schweinehaltung sind verlässliche und vielfältige Absatzmöglichkeiten daher von großer Bedeutung.
Der internationale Austausch in Qingdao bot zugleich Gelegenheit, Entwicklungen und Herausforderungen auf den globalen Märkten aus erster Hand zu diskutieren und bestehende Kontakte zu internationalen Partnern weiter auszubauen.
Messen & Veranstaltungen Westfleisch ist dabei!
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17.10.–21.10.2026 Sial, Paris
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10.11.–13.11.2026 EuroTier, Hannover