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Aktuelle Presseanfragen


NDR-Anfrage zum Thema „Ferkelkastration” vom 23. März 2019

 

Der NDR hat uns am 23. März 2019 Fragen zum Thema „Ferkelkastration“ gestellt. Am 30. März 2019 lief im ARD-Mittagsmagazin der Beitrag „Dürfen Bauern bald Ferkel betäuben?“, flankiert von einem Artikel auf der Sendungsseite. Darin heißt es: „Mehrere Schlachtunternehmen teilten dagegen auf Anfrage mit, sie akzeptierten alle Methoden.“

Da dies unsere Ausführungen nur sehr unzureichend widerspiegelt, nachfolgend unsere vollständige Antwort vom 26. März 2019:

 

„Die im Dezember 2018 beschlossene Fristverlängerung muss intensiv genutzt werden, um praxisorientierte Lösungen zu etablieren, die von Verbraucher, Handel und Gesellschaft getragen werden. Gleichzeitig erscheint es wichtig, mehrere Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu haben, da die Lösung für jeden landwirtschaftlichen Betrieb anders aussehen kann.

Deshalb ist für Westfleisch klar: Es kann bei diesem komplexen Sachverhalt nicht den einen Weg geben. Stattdessen akzeptieren wir als Abnehmer und Schlachtunternehmen unter bestimmten Bedingungen alle von Ihnen genannten Möglichkeiten. Das gilt für Tiere aus der Ebermast genauso wie für mit Improvac immunisierte Eber, unter Betäubung mit Isofluran kastrierte Schweine sowie für die Schlachttiere, bei denen der Kastrationsschmerz mittels örtlicher Betäubung ausgeschaltet wurde.

Die Schmerzausschaltung mittels örtlicher Betäubung, der sogenannte 4. Weg, bedarf noch weiterer juristischer Genehmigungsverfahren. Ebenso ärgerlich wie unverständlich für die Landwirte dabei: Andere europäische Länder wie Dänemark oder Schweden, mit denen die hiesigen Erzeuger in hartem Wettbewerb stehen, gehen diesen 4. Weg bereits seit längerem - und zwar mit gesetzlicher Unterstützung. Das bedeutet: Auch wenn diese Möglichkeit in Deutschland verboten bleibt, werden wir Ferkel, die unter örtlicher Betäubung kastriert wurden, im deutschen Markt finden – nur eben importiert. Viele deutsche Sauenhalter und Ferkelerzeuger sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Es wäre wünschenswert und chancengleich, wenn europaweit gleiche Bedingungen für die Ferkelerzeugung gelten.

Auch die Ebermast ist nicht das Allheilmittel. Westfleisch hat zwar sechs Jahre Erfahrung mit der Ebermast und bewiesen, dass auch Eberfleisch in begrenztem Umfang zu vermarkten ist. Jedoch: Von den im Jahr 2017 bei Westfleisch geschlachteten Schweinen waren etwa 15 Prozent unkastrierte männliche Tiere. In den Jahren zuvor war der Anteil in etwa gleich. Das heißt: Der Absatzmarkt für diese Ware ist und bleibt begrenzt, vor allem wegen der weniger geeigneten Produkteigenschaften für Weiterverarbeiter.

Diesen Punkt gilt es auch hinsichtlich der immunisierten Eber zu beachten: Experten betrachten diese Impfung nicht als Kastration, da es sich bei allen intakten Tieren nach wie vor um Eber handelt. Zwar ist die Wirkung der Impfung hinreichend erforscht und beschrieben. Am Schlachtband bleibt es jedoch ein Eber, dessen Fleisch vom Kunden akzeptiert werden muss.

Die Akzeptanz der verschiedenen Verfahren seitens unserer Genossenschaft ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer uneingeschränkten Vermarktbarkeit. Beispielsweise ändern sich Marktgegebenheiten in Exportländer nicht, wenn hierzulande mehr Eber gemästet werden. Der Export hat für eine nachhaltige Fleischvermarktung eine herausragende Bedeutung. Dank der Vielseitigkeit der internationalen Märkte kann Westfleisch heute fast das gesamte Schwein vermarkten: Rund 99 Prozent von ihm verbleiben in der Lebensmittelkette. Vor allem in asiatischen Ländern herrschen andere Verzehrgewohnheiten, hier werden zum Beispiel Pfoten, Schweinebäuche oder Pansen viel stärker nachgefragt als in Mitteleuropa. Aber: Eberfleisch wird dort kaum akzeptiert. Viele Kunden in Osteuropa und auch in Japan nehmen kein Eberfleisch – auch nicht das von immunisierten Ebern.

Vor diesem Hintergrund hält Westfleisch alle verfügbaren Alternativen für erforderlich und fördert sowohl die Mast betäubt kastrierter Ferkel als auch die Ebermast (klassische Ebermast sowie Mast geimpfter Eber).

Aktuell akzeptiert nahezu der gesamte deutsche Lebensmittelhandel das Fleisch von betäubungslos kastrierten Schweinen.“