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Aktuelle Presseanfragen


WDR-Anfrage zum Thema „Ferkelkastration”

 

Die Redaktion der WDR-TV-Sendung „Markt“ hat uns am 23. Januar 2019 Fragen zum Thema "Ferkelkastration" gestellt (Anfrage). Hier unsere Antwort:

 

„Die im Dezember 2018 beschlossene Fristverlängerung muss intensiv genutzt werden, um praxisorientierte Lösungen zu etablieren, die von Verbraucher, Handel und Gesellschaft getragen werden. Gleichzeitig erscheint es wichtig, mehrere Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu haben, da die Lösung für jeden landwirtschaftlichen Betrieb anders aussehen kann.

Deshalb ist für Westfleisch klar: Es kann bei diesem komplexen Sachverhalt nicht den einen Weg geben. Stattdessen akzeptieren wir als Abnehmer und Schlachtunternehmen unter bestimmten Bedingungen alle von Ihnen genannten Möglichkeiten. Das gilt für Tiere aus der Ebermast genauso wie für mit Improvac immunisierte Eber, unter Betäubung mit Isofluran kastrierte Schweine sowie für die Schlachttiere, bei denen der Kastrationsschmerz mittels örtlicher Betäubung ausgeschaltet wurde.

Die Schmerzausschaltung mittels örtlicher Betäubung, der sogenannte „4. Weg“, bedarf noch weiterer juristischer Genehmigungsverfahren. Ebenso ärgerlich wie unverständlich für die Landwirte dabei: Andere europäische Länder wie Dänemark oder Schweden, mit denen die hiesigen Erzeuger in hartem Wettbewerb stehen, gehen diesen 4. Weg bereits seit längerem – und zwar mit gesetzlicher Unterstützung. Das bedeutet: Auch wenn diese Möglichkeit in Deutschland verboten bleibt, werden wir Ferkel, die unter örtlicher Betäubung kastriert wurden, im deutschen Markt finden – nur eben importiert. Viele deutsche Sauenhalter und Ferkelerzeuger sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Es wäre wünschenswert und chancengleich, wenn europaweit gleiche Bedingungen für die Ferkelerzeugung gelten.


Auch die Ebermast ist nicht das Allheilmittel. Westfleisch hat zwar sechs Jahre Erfahrung mit der Ebermast und bewiesen, dass auch Eberfleisch in begrenztem Umfang zu vermarkten ist. Jedoch: Von den im Jahr 2017 geschlachteten Schweinen waren etwa 15 Prozent unkastrierte männliche Tiere. In den Jahren zuvor war der Anteil in etwa gleich. Das heißt: Der Absatzmarkt für diese Ware ist und bleibt begrenzt, vor allem wegen der weniger geeigneten Produkteigenschaften für Weiterverarbeiter.


Diesen Punkt gilt es auch hinsichtlich der immunisierten Eber zu beachten: Experten betrachten diese Impfung nicht als Kastration, da es sich bei allen intakten Tieren nach wie vor um Eber handelt. Zwar ist die Wirkung der Impfung hinreichend erforscht und beschrieben. Am Schlachtband bleibt es jedoch ein Eber, dessen Fleisch vom Kunden akzeptiert werden muss.


Die Akzeptanz der verschiedenen Verfahren seitens unserer Genossenschaft ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer uneingeschränkten Vermarktbarkeit. Beispielsweise ändern sich Marktgegebenheiten in Exportländer nicht, wenn hierzulande mehr Eber gemästet werden.
Der Export hat für eine nachhaltige Fleischvermarktung eine herausragende Bedeutung. Dank der Vielseitigkeit der internationalen Märkte kann Westfleisch heute fast das gesamte Schwein vermarkten: Rund 99 Prozent von ihm verbleiben in der Lebensmittelkette. Vor allem in asiatischen Ländern herrschen andere Verzehrgewohnheiten, hier werden zum Beispiel Pfoten, Schweinebäuche oder Pansen viel stärker nachgefragt als in Mitteleuropa. Aber: Eberfleisch wird dort kaum akzeptiert. Viele Kunden in Osteuropa und auch in Japan nehmen kein Eberfleisch – auch nicht das von immunisierten Ebern.


Zum 14. Januar 2019 hat Westfleisch die Ebermaske, also die Abrechnungsmodalitäten für Schlachteber, erstmals seit Sommer 2017 in einem Punkt geändert: Die Bewertung des Teilstücks "Schulter" sank um 0,1 Indexpunkte (IXP). Somit reduziert sich – bei einem durchschnittlichen Schultergewicht von 8,5 kg - der Gesamtwert eines Eberschlachtkörpers um 0,85 IXP. Das sind bei den aktuellen Preisen im Schnitt also etwa 1,15 Euro weniger pro Tier. Zur Orientierung: Für ein rund 100 kg schweres Schwein erhalten die Landwirte derzeit rund 136 Euro. Durch die Maskenänderung ziehen die Eber in der Bewertung mit den Kastraten gleich. Auf diese Weise will Westfleisch verhindern, dass Mäster aus wirtschaftlichen Gründen aus der Ebermast aussteigen.


Vor diesen genannten Hintergründen hält Westfleisch alle verfügbaren Alternativen für erforderlich und fördert sowohl die Mast betäubt kastrierter Ferkel als auch die Ebermast (klassische Ebermast sowie Mast geimpfter Eber).“